Christians Welt

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Nachdem Ihr euch eine kurze Zeit im Regal umgeschaut habt, entdeckt ihr einen dicken Folianten, der eurer Suche entspricht. Das Buch „Gohra Nir –Sein Leben, Seine Steine“ gibt offensichtlich Einblick in den Lebenslauf des Gildenschmieds der Order of Light, Sir Gohra. Da jedoch kein Autor angegeben ist, bleibt ihr zunächst skeptisch, inwieweit diese Ausführungen auf Tatsachen beruhen und tatsächlich etwas über die Person erzählen wird. Nichtsdestotrotz beginnt ihr zu lesen…

Vorwort
Sir Gohra Nir, heutiger Ratsvorstand der Order of Light und Erzgroßhändler von Gugrontid, mag alles andere sein als ein liebenswürdiger Bürger Yliakums oder gar ein Volksheld, nichtdestotrotz entwickelte sich dieser stets mürrische, unterschiedlichster Launen unterworfene Kran mit seinem typischen zynischen Humor in seinem Leben zu einer durchaus wichtigen, interessanten und lokal bekannten Persönlichkeit. Wer sich mit dem "großen Blauen" auseinandersetzen muss, sollte sich diese Biographie zu Herzen nehmen und als Grundlage beziehungsweise Ratgeber für den passenden Umgang verstehen.

Kapitel 1 - Die frühen Tage
Über die Herkunft Gohras ist nur wenig bekannt. Daher basieren alle Informationen auf bruchstücklichen Recherchen meinerseits. Fakt ist, er wuchs in den kranischen Erzminen auf der 5. Ebene Yliakums auf und wurde als dritter Sohn der Familie Nir etwa um das Jahr 500 geboren. Da Kran bekanntlich keiner Sexualität unterliegen, anderen Gerüchten nach diese möglicherweise einfach nur zu kompliziert sei zum Verständniss anderer Rassen, sind die Begriffe "Vater" und "Mutter" lediglich als sinngemäße Übersetzungen aus der kranischen Sprache zu verstehen. Demnach waren meinen Nachfragen zufolge sein Vater ein bekannter Schmied, und seine Mutter Edelsteinschleiferin.
Viel war in seiner Heimatsiedlung, dessen Name ist für Unsereiner unaussprechlich, nicht zu erfahren. Insgesamt ist das Kaff nach Aufgabe der Erzminen ziemlich ziemlich aussgestorben und Kran nicht sonderlich redselig, was meine Recherchen erheblich erschwerte. Gohra galt innerhalb der Kranfamilie als Einer von Vielen. Da in einer reinen Krankolonie jede Familie aus ca. hundert Mann besteht, ist Individualität ein Fremdwort. Daher erinnern sich selbst heute nur wenige Bürger an Gohra.
Er war einer der opalen Kran, wie alle Kran gebaut, wie alle Kran wurde er früh in der Metallkunde gelehrt, wie alle Kran interessierte er sich für Edelsteine und wie alle Kran entwickelte sich eine natürliche Rivalität zum Volk der Zwerge.
Letztere ist auf der 5. Ebene besonders ausgeprägt, da beide Rassen sich um die dortigen Besitzrechte der Erzflöße öfters mal in die Haare bekommen. Oftmals mussten diese Streitereien von Vigesimi in Zusammenarbeit mit dem 5. Octarchen geschlichtet werden.
Neben der recht simplen Lehre, durchzog Gohra auch die "Taladsche Schulung", ein Lehrgang, welcher nur in einigen Krangemeinden noch praktiziert wird. Zentraler Kern dieser teils religiöser, teils banaler Manipulation ist die "Kranyklopädie". Die Kranyklopädie ist eine inoffizielle Schrift der taladschen Religion, und gilt mit ihren 6757Seiten als größtes Schriftstück kranischer Keilschrift. Beeindruckend sei nicht nur die schiere, kranuntypische Länge, als vielmehr die Masse unwichtiger Texte. Neben einer religiösen Prophezeihung samt Schöpfungsmythos, welche nur 200Seiten lang ist, erzählt das Buch die ersten 6017Seiten eine simple Fassung der bisherigen kranischen Geschichte. Nebenbei wird dieser zusammenhanglose Text alle hundert Jahre gekürzt und gestrichen um bei gleichbleibender Seitenzahl auch die neuere Geschichte aufnehmen zu können. Die restlichen 540 Seiten enthalten eine Auflistung verschiedenster Psalmen, wenige davon Talad preisend, viele kurze Erklärungen über physikalische Gesetze und Grundlagen der Schmiedekunst, die meisten jedoch völlig banale Aussagen wie: "Zwerge sind doof" oder "Unterschätze nie einen Kran". Die Taladsche Schulung wird daher meist nur als manipulatives Instrument kritisiert, welches den Archetypen des arbeitenden Krans lehrt zwecks Gleichschaltung. Ein weiterer Grund warum, alle Kran in Gohras Heimatstadt gleich sind. Dennoch war die Lehrzeit von Vorteil für Gohras Schmiedekünste und Materialwissen.
Seine "Jugend" verbrachte Gohra im Anschluss als Arbeiter in den örtlichen Minenschächten, wo er durch übliches Fachwissen im Bergbau ebenso auffiel wie alle anderen Kran.
So vergingen Jahre und Jahre mit dem üblichen Zeugs und alle Kran fühlten sich wohl in den Minen.
Nur Gohra nicht.
Er war nicht wie alle Kran.
Während dem Rest des Ortes alles in der Dunkelheit so gefiel, zog es ihn zum Licht. Vielleicht war es eine Mitschuld der Taladschen Schulung, dass er sich nach einem größeren Schicksal sehnte, welches Talad für ihn bereit hielt, vielleicht war er auch einfach nur die Individualitätslosigkeit seiner kollektiven Gemeinschaft leid.
Nach einer Erzählung führte ein prophetisches Ereignis in den Minen dazu, dass er sich zur 1. Ebene aufmachte. Demnach grub er einen Erzklumpen aus, welcher von Diamantenmaterial durchzogen war und einen fernen Lichtstrahl des Kristalls reflektierte. Als dieser ihn blendete, deutete er es als Zeichen Talads, dass er in der Nähe des Kristalls eine Zukunft haben würde. Eine persönliche Zukunft, nicht wie alle Kran. Einige vermuten aber auch, er hätte die Minen deshalb verlassen, weil er wusste, dass sie nur ein Jahr später sowieso aufgegeben werden würde, was dann auch geschah. Anderen Überlieferungen nach war es einfach nur die Einsamkeit, welche ihn zum Auszug bewegte.